Eine Holzkirche fürs Museumsdorf
Das Museumsdorf Cloppenburg bekommt Zuwachs: Eine sogenannte Notkirche aus dem Jahr 1964 wird das Ensemble historischer Gebäude aus dem Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert ergänzen. Die aus dem Dorf Schönebeck bei Bremen stammende Holz-Montagekirche soll gegenüber der 2018 translozierten Landdiskothek „Zum Sonnenstein“ errichtet werden.
„Die Translozierung der Kirche ist der nächste wichtige Schritt in unserem Vorhaben, auch den Alltag im Niedersachsen der Nachkriegszeit erlebbar zu machen“, freut sich Museumsdirektor Dr. Torsten W. Müller. Die Errichtung des zeltförmigen Bauwerks im Museumsdorf Cloppenburg – Niedersächsisches Freilichtmuseum soll voraussichtlich im Frühjahr 2027 beginnen. Die Museumsbesucher können den Aufbau der Kirche vor Ort mitverfolgen.
Eine Fachfirma führt derzeit den Abbau der großen Bauteile und die Translozierung aus. Den Wiederaufbau realisieren die Handwerker des Museumsdorfs, die das Innere der Kirche bereits abgebaut haben, in Eigenleistung. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf rund 500.000 Euro. Gebäude und Grundstück der Schönebecker Holzkirche gehören seit 2023 der Johanniter Seniorenhäuser GmbH, die dem Museumsdorf die Kirche samt Inventar zur Verfügung stellt.
Die Kirche entstand in einer Phase starken Wachstums der Nordbremer Wohngebiete in der Nachkriegszeit. Da ein Gotteshaus fehlte, errichtete man 1964 eines aus dem Notkirchenpro-gramm der Bremischen evangelischen Landeskirche. Dafür konnte auf Entwürfe des Düsseldorfer Architekten Helmut Duncker zurückgegriffen werden, der Anfang der 1960er Jahre im Auftrag der Evangelischen Kirche im Rheinland den Typ einer schnell auf- und abzubauenden Montagekirche aus Holzfertigteilen (auch als „Schwedenkirche“ bekannt) entwickelt hatte. Die Bauzeit vor Ort dauerte nur wenige Wochen. Im Laufe der Zeit wurden Renovierungen und bauliche Ergänzungen und Veränderungen vorgenommen. 59 Jahre später, im Jahr 2023, wurde die Kirche offiziell von der Bremischen Landeskirche entwidmet. Seine ursprünglich auf 40 Jahre angelegte Nutzungsdauer hatte das Gebäude zu diesem Zeitpunkt längst überschritten.
Das Museumsdorf möchte mit der Kirche unter anderem Themen wie Integration der Heimat-vertriebenen im ländlichen Niedersachsen, Konfessionen und ihre Bedeutung in der jungen Bundesrepublik ansprechen. Zudem wird das Gebäude nicht nur als Ausstellungsfläche, sondern auch als Veranstaltungsraum, etwa für Lesungen und Vorträge, dienen.

