Eine Disco kommt ins Museum

Die Translozierung des „Sonnensteins“ – ein erster Einblick


Sonnenstein

Wie wird die Außenhülle zerteilt?

 Die Süd-Ost-Fassade (Bistroeingang) wird einmal zwischen dem Giebelfachwerk und den Fenstern des Obergeschosses geteilt und ein zweites Mal zwischen Ober- und Erdgeschoss. Ebenso wird es vertikale Schnitte geben. Damit diese möglichst unauffällig bleiben, werden sie dort vorgenommen, wo durch die Fenster ohnehin weniger Mauerwerk vorhanden ist. An der Fassade, die den Disco-Eingang beherbergt, wird es nur einen horizontalen Schnitt geben, zwischen Ober- und Erdgeschoss. Die Fensterrahmen bleiben in der Fassade, die Fensterflügel werden herausgenommen.

Begonnen wird mit dem Horizontalschnitt. Eingeschobene Keile verhindern, dass der Mauerteil kippt und das Sägeblatt weiterhin Spiel zum Schneiden hat und nicht zwischen den Mauerteilen eingeklemmt wird. In die fertige Schnittstelle werden Stahlteile eingeschoben und später auch auf das Mauerstück gesetzt. Die Stahlteile werden mit Holz verbunden und sichern so die Stabilität des Mauerstücks, das mittels eines Krans auf einen Tieflader gesetzt wird. Das Obergeschoss wird zunächst eingelagert. Das Erdgeschoss soll jedoch unmittelbar nach dem Abbau direkt auf dem neuen Areal wieder errichtet werden. Hierfür steht dann eine neue Sohlplatte bereit. Dieser Vorgang muss insgesamt rasch vorangehen, da trotz der Verschalung einige Gebäudeteile dem Wetter ausgesetzt sind.

Sonnenstein

Wiederaufbau

Damit wären wir schon beim dritten und letzten Abschnitt der Translozierung, dem Wiederaufbau. Die Außenwandteile werden auf den neuen Betonsockel gesetzt und horizontal und vertikal mit speziellem Mörtel, Zement und Stahlstreben verbunden. Der alte Dachstuhl wird wieder aufgebaut. Die Innenwände werden konservativ neu errichtet, ebenso die Bodenbeläge, dabei werden die ursprünglichen Maße rekonstruiert. Die Decken werden wegen der Brandschutzauflagen komplett neu bekleidet. Zunächst wird eine zweilagige Gipskartondecke eingezogen, bevor eine einfache Gipskartondecke angebracht wird, die später sichtbar sein wird. Der Luftraum zwischen den beiden Deckenschichten wird für die vielen Elektroinstallationen, die Lichtaufhängung und etliche Meter Kabel benötigt. Auch bei den zahlreichen Kabeldurchführungen ist die Brandschutzverordnung streng zu beachten. (In früheren Zeiten ist auf diese Dinge allgemein nicht so viel Wert gelegt worden. Siehe Foto) Abschließend wird das gesicherte Inventar wieder an seinen alten Platz geräumt. Wenn später alle Lichter und Effektgeräte wieder an der Decke angebracht sind, werden die Besucher jedoch keinen Unterschied feststellen können. Das Höhenverhältnis wird so sein wie zuvor. Die kleinteiligen und zeitaufwändigen Arbeitsschritte liegen dann hinter Gipskarton versteckt im Dunkeln. (21.03.18 wt)
Fotos: Museumsdorf Cloppenburg
Entwurf Fassadenzerteilung: Architektengemeinschaft Dunkler-Gronwald & Wiechmann