Eine Disco kommt ins Museum

Helmut Wilken repariert die Musik- und Lichtanlage des „Sonnensteins“


Sonnenstein

 

„72 Leuchtstofflampen á 20 Watt waren in der Tanzfläche eingebaut“, erzählt Helmut Wilken „teilweise waren die Kabel von den Mäusen blank gefressen. Und Kippen lagen da unten. Wie die da hingekommen sind …“ Der Elektromeister im Ruhestand schüttelt den Kopf und zeigt Fotos, die er beim Abbau gemacht hat. Man fragt sich tatsächlich, wie diese Menge an Zigarettenstummeln den Weg durch die kaum vorhandenen Tanzplattenfugen gefunden hat. Dann kommt er aber aus dem Schwärmen nicht mehr heraus, geht die Regalreihen entlang und erklärt die vielen Leuchtmittel und Effektgeräte. Rund 50 Stück waren allein über der Tanzfläche der Disco installiert. Alles lagert derzeit im Depot des Museumsdorfes. Alles muss Stück für Stück gereinigt und teilweise repariert werden.

Zusammen mit Philipp Oer vom Handwerksteam des Museumsdorfes hat Helmut Wilken jedes einzelne Element im „Sonnenstein“ abgeschraubt und den genauen Standort in einem Plan festgehalten. Alle Maße, alle Watt- und Voltangaben und die verschiedenen Anschlüsse hat er akribisch notiert, damit später alles wieder an seinen Platz kommt. Die Discokugel dient hier als Fixpunkt für alle Maße.

Sonnenstein

Kannen und Pyramiden
Heute bringt Helmut Wilken einige große Scheinwerfer, sogenannte Kannen, zurück ins Depotregal. Seine Augen schweifen über die Regale. Alle Geräte mit einem gelben Sticker sind bereits durch seine Hände gegangen und repariert. Der Unterschied ist sofort deutlich: Die Geräte sind unverkennbar vom Discodreck befreit, ihre Dienstzeit sieht man ihnen dennoch an. Aber das ist ja auch gut so. Die Stücke ohne Aufkleber sind derzeit noch in der Überzahl. Zurück in den Kofferraum wandern mehrere Steuergeräte und sechs kleinere Scheinwerfer. Die wird er zu Hause in seiner Werkstatt in Schortens in Stand setzen und dann gegen die nächsten Geräte austauschen, bis auch der letzte Blitzer und das letzte Pyramidendrehlicht wieder einsatzbereit sind. Im Sommer plant er für eine Woche mit seinem Wohnmobil nach Cloppenburg zu kommen und vor Ort zu reparieren.

Sonnenstein

 

„Da sind noch Sachen aus den 60ern an der Decke gewesen. Steuergeräte aus England. Das waren damals die ersten Effektleuchten die rauskamen. Vier-Kanal-Geräte, also Lichtorgeln mit vier Leuchten, die verschieden geschaltet werden konnten, auch schon nach dem Takt der Musik. Dann kamen Drehlichter dazu und später die LEDs.“ Helmut Wilken ist voll in seinem Element, wenn er über den Fortschritt in der Effektlichtbranche spricht, zumal sich im „Sonnenstein“ die gesamte Entwicklung an der Discodecke finden lässt. Neben seiner Ausbildung und später neben seiner Anstellung bei einem Energieversorgungsunternehmen war er mit seinem Nachbarn, einem Schausteller, auf Märkten im Emsland unterwegs. Jedes Wochenende und in seinen Urlauben hat er die Berg- und Talbahn seines Nachbarn mit auf- und abgebaut und die Musik und Moderation gemacht. Für einen anderen Schausteller hat er später dann nur noch moderiert und Musik für dessen Tunnelbahn aufgelegt. Ganze sechs Jahre, von 1968 bis 1974, war Helmut Wilken dabei und hat einiges erlebt. „Da könnte ich glatt ein Buch drüber schreiben“, sagt er. Aber dann packt er doch lieber noch einen kleinen Scheinwerfer in den Kofferraum: „Der passt noch rein.“ Heute macht der Friesländer immer noch Musik, auch in Cloppenburg. Jedes Jahr, wenn im Museumsdorf die Dorfkirmes eröffnet, ist er dabei – bei der historischen Raupenbahn. Auf- und Abbau und Musik. Dann wohnt er sogar für diese Zeit auf dem Gelände, natürlich in seinem Wohnmobil. „Wenn dann alle Besucher weg sind und ich gehe noch mal abends durchs Dorf, das ist schon toll.“ (23.02.18 wt)