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1942/1943 - Der lokale Horizont von Entrechtung und Vernichtung, vom 30. November bis 28. Januar 2018

Mit Beginn des Jahres 1942 hat die nationalsozialistische Herrschaft in Europa ihre größte territoriale Ausdehnung erreicht. Das von ihr ausgehende System von Gewalt, Entrechtung, Raub und Vernichtung hinterlässt vor Ort seine Spuren. Die Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Mitbürger erlebt in den Vernichtungslagern Mittel- und Osteuropas ihren schrecklichen Höhepunkt. Gleichzeitig wird der Besitz der vertriebenen und ermordeten Juden aus Deutschland und den besetzten Ländern zugunsten der NSDAP und ihrer Organisationen gewinnbringend verwertet. Sinti, die der Volksmund als "Zigeuner" diskreditiert, werden reichsweit bereits Jahre vorher rassenideologisch vermessen und schließlich in Konzentrationslagern durch Arbeit und Gewalt in den Tod getrieben.

Friedhof HelmighausenKriegsgefangene werden unter unmenschlichen Bedingungen massenhaft dem Hunger- und Seuchentod ausgesetzt oder gezielt ermordet. Zwangsarbeiter aus allen von Deutschland besetzten Ländern bilden in der Industrie, aber insbesondere auch in Agrarregionen ein wichtiges Rückgrat der lokalen Wirtschaft. Seit 1942 sind es überwiegend Arbeitskräfte aus den neu eroberten Teilen der Sowjetunion, die bald die Mehrheit der Zwangsarbeiter in Deutschland stellen. Begriffe wie "Ostarbeiter", "Judenmöbel" und "Zigeunerplage" kennzeichnen sprachlich den Niederschlag alltäglicher Gewaltausübung in der Wahrnehmung der Zeit. In Helmighausen bei Löningen werden über einhundert sowjetische Kriegsgefangene begraben, die dort in den ersten Monaten nach dem Überfall auf die Sowjetunion verhungert oder an Seuchen zugrunde gegangen sind, in großer Zahl aber auch erschossen wurden.

 

 

In der Cloppenburger Münsterlandhalle stapelt sich Hausrat aus geplünderten jüdischen Wohnungen. Mehrere tausend "Zivilarbeiter" und Kriegsgefangene leisten Zwangsarbeit in Land- und Forstwirtschaft, in Betrieben und Haushalten. Widerstand gegen das Geschehen bleibt meistens punktuell und unscheinbar, bleibt auf den Mut und die Hilfeleistung Einzelner gestützt.

 

 

 

 

 

Bildnachweis

  • "Am 10. November 1938 wurde das Geschäft Heiersberg demoliert und ausgeräumt. Die Waren wurden zur NSV gebracht." In: Walter Denis "Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Cloppenburg". Cloppenburg 2003, S. 85
  • Originaltitel: "Seit Beginn der Frühjahrskämpfe wurden an der Südostfront über eine Million gefangene Bolschewisten eingebracht. Riesig sind auch die Materialverluste der Sowjets. Wieder füllten sich die Gefangenenlager mit Tausenden von Bolschewisten und bedecken mit ihren wimmelnden Massen weiterhin das Gelände." PK-Aufnahme: Kriegsberichter Wahner. 13.8.1942 (Herausgabedatum) Quelle: Bundesarchiv  BArch, Bild 183-B21845
  • Friedhof Helmighausen bei Löningen (Archiv Museumsdorf Cloppenburg)
  • Archivtitel: "Frankreich, Paris.- "Möbel-Aktion", Beschlagnahmeaktion von Möbeln und Wohnungsinventar samt Betten, Wäsche und Schuhen, Spielzeug und Hausrat durch den "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg" in Frankreich, ERR-Lager in eimem Pariser Kaufhaus, Magazin mit Porzellan. 1942/43". Quelle: Bundesarchiv BArch, B323 Bild-0311-065