Leitbild Museumsdorf Cloppenburg

Hofanlage Quatmann, Foto: M. Stephan

Anspruch

Das Museumsdorf Cloppenburg-Niedersächsisches Freilichtmuseum gehört zu den großen Freilichtmuseen Mitteleuropas. Auf einem Gesamtareal von 25 Hektar zeigt es Ausschnitte aus der historischen ländlichen Haus- und Kulturlandschaft Nordwestdeutschlands. Gemäß dem in seiner Satzung verankerten Anspruch eines zentralen, wissenschaftlich ausgerichteten und entsprechend geführten Freilichtmuseums ist unsere Einrichtung für seine Besucher eine attraktive und lebendige Stätte der Forschung und Vermittlung. Unser Museum verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, d. h. es stellt die konkreten Lebensumstände der Menschen exemplarisch anhand ihrer überlieferten Sachzeugnisse (Haus, Mobiliar, Arbeitsgeräte, persönliche Gegenstände) aus mikrohistorischer Perspektive in ihren jeweiligen Zusammenhängen (ganzheitlich) dar.
Zu den inhaltlichen Schwerpunkten zählen dabei die Dokumentation und Präsentation der wichtigsten Haus- und Hoftypen des nordwestlichen Niedersachsens in ihrer landschaftlichen und sozialen Differenzierung, unter Einbindung und Darstellung historischer Arbeits- und Handwerkstechniken, regionaltypischer Kulturlandschaftselemente, alter Haustierrassen sowie historischer Nutz- und Zierpflanzen.
Das Museumsdorf Cloppenburg versteht sich als dynamisch agierende Museumseinrichtung. Seine Sammlungs- und Vermittlungsschwerpunkte reichen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Mit Blick auf die jüngeren Sammlungen, die den Bereich der öffentlichen Fest-und Popularkultur einbeziehen, dokumentieren wir zugleich die Übergänge von einer ländlichen Produktionsgesellschaft zu einer auf dem Lande lebenden Konsum- und Dienstleistungsgesellschaft. Mit den gebäudebezogenen Präsentationen im Freilichtmuseum, zusätzlichen Ausstellungen und Veranstaltungen sowie einer regen Publikationstätigkeit zeigen wir so ein vielschichtiges Bild vom Kultur- und Alltagsleben der Menschen in Niedersachsen.

 

Trägerschaft

Führungen im Museumsdorf

Unsere Einrichtung mit dem Doppelnamen Museumsdorf Cloppenburg - Niedersächsisches Freilichtmuseum ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Ihre formal-juristische Existenz beruht auf den historischen Gebäuden und Liegenschaften, die sich sämtlich im Eigentum unserer Einrichtung befinden. Unser Museum verfügt über kein monetäres Stiftungskapital. Seine finanzielle Basis bildet die institutionelle Förderung durch das Land Niedersachsen (vertreten durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur), den Landkreis Cloppenburg, die Stadt Cloppenburg und den Landkreis Vechta. Gemeinsam mit den Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Mieten und Verpachtungen (Gastronomie) bilden diese regelmäßigen und variierenden Einkünfte die Grundlage für die Verwaltung und Bauunterhaltung unseres Museums.
Wesentlich für die Umsetzung unserer inhaltlichen Arbeit sind darüber hinaus projekt-bezogene Zuschüsse von Förderstiftungen und Sponsoren. Mit ihrer Hilfe können neue Baumaßnahmen und Forschungsprojekte initiiert und umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang ist das bürgerschaftliche Engagement eine Stärke unserer Einrichtung, wie es etwa in der 2007 vollzogenen Gründung der Carola-Wüstefeld-Stiftung mit einem Stiftungskapital von knapp einer Million Euro zum Ausdruck kommt. Mit derzeit rund 800 Fördermitgliedern trägt ferner der Freundeskreis entschieden zur Sammlungspflege und -erweiterung bei. Die Mitglieder sind zugleich Botschafter unserer Einrichtung und verfolgen den selbst gesteckten Auftrag, das private Engagement für das Museum weiter zu stärken, sich um Förderer und Zustiftungen zu bemühen und so die finanzielle Basis des Museums kontinuierlich zu verbessern.

 

Ausrichtung

Garten der Hofanlage Wehlburg. Foto: M. Stephan

Das Museumsdorf Cloppenburg gilt als das älteste, nach wissenschaftlich-museologischen Maßstäben geführte Freilichtmuseum Mitteleuropas. Diesem Anspruch fühlen wir uns eng verbunden. Er ist Maßstab und Leitlinie all unserer wahrgenommenen Aufgaben und durchgeführten Arbeiten. Hierzu gehören die Orientierung an internationalen Museumsstandards, die Verpflichtung zu guter wissenschaftlicher Praxis, das Vorhalten von Nachhaltigkeit und Innovationsbereitschaft auf dem Gebiet der Baudenkmalpflege und Restaurierung sowie das Einnehmen einer vorbildhaften Position auf dem Gebiet des Umwelt- und Landschaftsschutzes. Bei allem sind wir bestrebt, unsere Arbeitsergebnisse für eine breite Öffentlichkeit möglichst anschaulich und nachvollziehbar zu präsentieren.

 

Kooperationen

Neueindeckung eines Daches.Foto: E. Albrecht

Bei der Entwicklung und Profilierung der Eigenständigkeit unserer Einrichtung sind wir zugleich sehr um Kooperationen bemüht. Wir arbeiten – institutionell wie auch projektbezogen – eng mit Museumsverbänden und Museen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene zusammen, ferner mit Universitäten und Fachhochschulen, allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen, Arbeitsagenturen und Industrie-/Handwerkskammern, Tourismus- und sozial-karitativen Einrichtungen sowie Handwerksbetrieben und Unternehmen. Besonderes Augenmerk richten wir auf die Kooperation mit den staatlichen Denkmalschutzbehörden sowie mit der Stiftung Kulturschatz Bauernhof mit ihrem Projekt „Monumentendienst“, um dem gemeinsamen Ziel, das kulturelle Erbe in der Region nachhaltig zu bewahren und zu pflegen, synergetische Substanz zu verleihen.

 

Selbstverständnis

Kinder im Museumsdorf. Foto: K. Dieckmann

Wir begreifen uns als ein bildungs- und forschungsorientiertes Museum mit hohem Freizeit-, Erholungs- und Erlebniswert. Entsprechend sind wir bestrebt, möglichst viele Menschen mit unseren Angeboten zu erreichen. Dazu gehören Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Schulklassen ebenso wie Familien mit Kindern, Seniorengruppen wie Einzel-personen, Kinder im Vorschulalter wie Jugendgruppen. Wir sind darauf bedacht, viele individuell und kollektiv erlebbare Vermittlungsformen vorzuhalten und damit den Besucherinnen und Besuchern den Aufenthalt im Museum so attraktiv und informativ wie möglich zu gestalten. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, das Museum mit allen Sinnen erleben zu können: visuell (über das Sehvermögen), auditiv (über das Hörvermögen), haptisch (über das Gefühlsvermögen) und olfaktorisch (über das Geruchsvermögen). Diese sinnlichen Erfahrungsmöglichkeiten dem Museumserlebnis selbst nutzbar zu machen, ferner das Erlebnis durch wechselnde Ausstellungen und Veranstaltungen sowie durch direkte Vermittlungsformen (wie Führungen und Programme) und stationär vorgehaltene „Genuss“- und Spielangebote zu bereichern, ist wichtiger Bestandteil unseres museologischen Selbstverständnisses.

 

Museumsethos

Scheune im Museumsdorf. Foto: M. Stephan

Wir legen an uns selbst hohe Maßstäbe, begreifen das Museum als eine dienst-leistungs- und serviceorientierte Einrichtung mit einer inhaltlich ausgerichteten Kommunikationsfähigkeit und -bereitschaft aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Primäres Ziel unserer gemeinsamen Arbeit ist es, das Museumsdorf Cloppenburg für seine Besucher als einen Ort informativer und attraktiver Geschichtsvermittlung erlebbar zu machen. Wir setzen uns dafür ein, dass das Museum als Zentrum des regionalen kulturellen Erbes wie auch als Ort der kulturellen und sozialen Toleranz begriffen wird, in dem Ausgrenzung und Diskriminierung keinen Platz haben. Praktizierte Mehrsprachigkeit bei möglichst vielen Informations- und Vermittlungsangeboten zählen wir ebenso dazu wie das Streben nach Partizipation, Inklusion und Barrierefreiheit – in und mit der Einrichtung Museumsdorf Cloppenburg.
Stand: Juni 2015

Stiftung
Museumsdorf Cloppenburg - Niedersächsisches Freilichtmuseum