Das Dorf und sein Laden - Der Gemischtwarenladen der Familie Bahlmann aus der Wesermarsch


Kaffeedose

 2015 wurden dem Museumsdorf Cloppenburg annähernd 5000 Objekte aus dem Gemischtwarenladen der Familie Bahlmann aus Langwarden/Butjadingen geschenkt. Das Museum Nationalparkhaus in Fedderwardersiel war der Schenkende. Diese Objekte wurden in den Bestand des Museumsdorfes überführt und dokumentiert. Das Sortiment von Arbeitspantinen bis zur Zigarrenkiste spiegelt die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung wider.
Auf dem Land entstand während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine große Zahl von Gemischtwarenläden. Dies war die Folge der Industrialisierung und der gestiegenen Nachfrage nach Massengütern und Kolonialwaren auch auf dem Land. Der Laden, der ab 1912 bis zur seiner Schließung 2001 der Familie Bahlmann gehörte, entstand infolge dieser Entwicklung im Jahr 1864 zunächst noch unter einem anderen Besitzer.

Die Vielzahl der Objekte des Ladens, die in den Besitz des Museumsdorfes übergegangen sind, spiegelt ein großes Warensortiment wider. Es wurden Waren angeboten, die die vorwiegend selbstversorgenden Bauern nicht herstellen konnten oder wollten.
Unter den Gegenständen finden sich darüber hinaus eine Reihe von Teedosen und –kisten unterschiedlicher Marken, wie beispielsweise „Wilken Tee“ oder „Bünting Tee“. Flaschen mit Schuhcreme der Marke „Erdal“, Zigarettendosen aus dem Hause Reemtsma, eine große Kaffeedose „Edeka Röstkaffe“ sind nur einige Produkte, die es hier zu kaufen gab. Dem Wunsch der Kunden nach Zutaten für das Schlachten wurde mit Angeboten von Schlachtgewürzen und Därmen Rechnung getragen. Über das Angebot von Nahrungs- und Genussmittel hinaus gab es u. a. auch Schreibwaren, Kurzwaren und Textilien aller Art. Auch Schuhe gab es zu kaufen. Davon zeugt das Paar hoher Lederschuhe mit Holzsohle. Dieses wurde während und nach dem 2. Weltkrieg hergestellt, als Leder ein knapper Rohstoff war.

Waage

Darüber hinaus konnten die Menschen bei den Bahlmanns auch Güter für die Landwirtschaft erwerben. Es wurden u. a. die sog. „Steertlienen“ oder Schwanzleinen verkauft. Mit ihnen wurden den Kühen die Schwänze hochgebunden, um für die Bauern das Melken zu erleichtern. Die Waren wurden vom Großhandel zumeist in großen Kisten oder Säcken angeliefert und eingelagert. Bei Bedarf füllte die Familie Bahlmann dann die Schubladen und Vorratsgläser im Verkaufsraum auf. Selbstbedienung, wie sie erst in den 1950er Jahren in Deutschland aufkommt, gab es in der Anfangszeit nicht. Für die Kunden wurden die von ihnen gewünschten Waren abgewogen und anschließend in Tüten gefüllt. Die zum Wiegen verwendete Balken- oder Tellerwaage mit den dazugehörigen Gewichten, die auch in den Bestand des Musemsdorfes gekommen sind, wurden erst 1930 durch eine Schnellwaage ersetzt.

Schuhe

Neben dem ökonomischen Zweck erfüllte der Gemischtwarenladen der Bahlmanns auch eine sozial-kommunikative Aufgabe. Er war ein Ort des Austausches von Informationen und Nachrichten. Darüber hinaus war der Ladenbesitzer auch ein großer Kreditgeber auf dem Lande, da die Waren oft erst dann bezahlt wurden, wenn eine größere Summe angeschrieben worden war.

Lars Pastler

 

 

Abbildungsnachweis:

Erdal "Spezial" Schuhcreme (zwischen 1949-1962)
Zylindrische Dose „Edeka Röstkaffee“
Balkenwaage mit Gewichten (vor 1930)
Ein Paar hohe Lederschuhe mit Holzsohle