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Ländliche Eliten

"Hinter dem Horizont ..." - Bäuerlich-bürgerliche Eliten in den friesischen Marschen und den angrenzenden Geestgebieten. Dokumentation, Erforschung und Präsentation des Bestandes an Sach- und Schriftkultur (2. Hälfte 17. - 1. Hälfte 19. Jahrhundert)


www.laendliche-eliten.de 

Zeugnisse für das Selbstverständnis der ländlichen Eliten

„‚Hinter dem Horizont’ … Bäuerlich-bürgerliche Eliten in den friesischen Marschen und den angrenzenden Geestgebieten“ – so heißt ein gemeinsames Forschungsvorhaben des Museumsdorfs Cloppenburg (Prof. Dr. Uwe Meiners), des Schlossmuseums Jever (Prof. Dr. Antje Sander), des Niedersächsisches Landesarchiv - Staatsarchiv Oldenburg (Prof. Dr. Gerd Steinwascher) und des Instituts für Geschichte der Universität Oldenburg (Prof. Dr. Dagmar Freist).

In dem Projekt wird die Sach- und Schriftkultur der nordwestdeutschen bäuerlich-bürgerlichen Elite von der 2. Hälfte des 17. bis in die 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts untersucht. Der gewählte Zeitraum erstreckt sich zwischen der Erweiterung der Handelsbeziehungen nach dem 30-jährigen Krieg bis zu den einschneidenden Veränderungen der Industrialisierung, die den angesprochenen Eliten großen wirtschaftlichen Erfolg bescherte. Die sachkulturellen und schriftlichen Hinterlassenschaften dieser Bevölkerungsgruppe sind in den beteiligten Museen und Archiven weder systematisch erfasst noch erforscht. Auf der Basis der Dokumentation verfolgt das Projekt das Ziel, durch eine Verknüpfung wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtlicher Fragestellungen das Selbstverständnis dieser Bevölkerungsgruppe nachzuzeichnen, ihr Innovationspotenzial zu untersuchen und damit einen Beitrag zu einer differenzierteren Betrachtungsweise der vormodernen ländlichen Gesellschaft in Nordwestdeutschland sowie ihrer interkulturellen Verflechtungen zu leisten.

 

Die Sachkultur des ländlichen Patriziats

Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Erforschung, Dokumentation und Präsentation des Bestandes an Sach- und Schriftkultur von ca. 1650 bis 1850. Der geistige Horizont der bäuerlich-bürgerlichen Führungsschicht in den friesischen Marschen und den angrenzenden Geestgebieten war zu dieser Zeit durchaus nicht hinterwäldlerisch, sondern geprägt durch weit reichende Wirtschaftskontakte und internationale Verflechtungen. Die Quellen belegen zahlreiche europäische Handelsnetzwerke, die Partizipation an globalen Märkten sowie ein ausgeprägtes Konsumverhalten. Die bäuerlich-bürgerliche Elite war sich ihrer herausgehobenen Position sehr wohl bewusst und kultivierte ihr herrschaftliches Selbstverständnis durch Besitz, Bildung, exklusiven Lebensstil und Anspruch auf politische Ämter. In den Sammlungen der beiden Museen und des Staatsarchivs finden sich Familienchroniken, Rechnungs- und Haushaltsbücher, Inventare und Korrespondenzen und vor allem Gegenständen der Sachkultur des ländlichen Patriziats der Region in seltener Fülle.